Ich wand’re durch Theresienstadt – OPUS 45

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Wie lässt sich an Geschichte erinnern, ohne dass sie abstrakt bleibt? Wie können historische Erfahrungen Menschen heute noch berühren, aufrütteln und zum Nachdenken anregen? Eine eindrucksvolle Antwort darauf gibt die OPUS 45. „Ich wand’re durch Theresienstadt“ verbindet Konzert, Lesung und Zeitzeugengespräch zu einem eindrucksvollen künstlerischen Programm, das Erinnerung lebendig werden lässt.

Die musikalische Lesung verbindet künstlerische Qualität mit historisch-politischer Bildung und persönlicher Begegnung. Sie erinnert an das Ghetto Theresienstadt, an das Leid der dort inhaftierten Menschen, aber auch an die Kraft von Musik, Literatur und Erinnerung. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische und demokratiefeindliche Tendenzen wieder sichtbarer werden, ist eine solche Veranstaltung weit mehr als ein kultureller Programmpunkt: Sie ist ein Zeichen für Menschenwürde, Empathie und eine lebendige Erinnerungskultur.

Ort: Barbarossasaal / Main-Kinzig-Forum, Barbarossastraße 16–24, 63571 Gelnhausen
Datum: Donnerstag, 28. Mai 2026
Uhrzeit: Beginn 18:00 Uhr, Einlass ab 17:30 Uhr
Anmeldung: Jetzt online anmelden

Ein Abend, der Geschichte erfahrbar macht

Theresienstadt war ein Ort der Verfolgung, des Hungers, der Angst und der Entrechtung. Zugleich entstanden dort unter den inhaftierten Jüdinnen und Juden Gedichte, Erinnerungen, Kompositionen und künstlerische Aufführungen von außergewöhnlicher Kraft. Dass inmitten von Terror, Zwangsarbeit und Todesangst Kunst möglich blieb, gehört zu den erschütterndsten und eindrucksvollsten Kapiteln dieser Geschichte. Gerade deshalb ist es wichtig, heute an diese Stimmen und Werke zu erinnern. Sie bewahren Menschlichkeit im Angesicht der Barbarei und eröffnen einen Zugang zur Geschichte, der berührt, nachdenklich macht und in die Gegenwart hineinwirkt.

OPUS 45 und Roman Knižka: Erinnerungsarbeit mit künstlerischer Kraft

Im Mittelpunkt des Abends steht eine musikalische Lesung über das Ghetto Theresienstadt. Der Schauspieler Roman Knižka führt durch das Programm und liest Erinnerungen und Gedichte von Ruth Klüger, Ilse Weber, Leo Strauss und Gerty Spies. Diese literarischen Zeugnisse erzählen von Verfolgung, Verlust, Hoffnung und innerem Widerstand. Sie machen individuelle Erfahrungen hörbar und geben jenen eine Stimme, deren Lebenswege durch den Nationalsozialismus geprägt und vielfach zerstört wurden.

Ergänzt werden die Texte durch die Musik des Bläserquintetts OPUS 45, das Kompositionen von Pavel Haas, Hans Krása, Viktor Ullmann und Gideon Klein interpretiert. Im Zusammenspiel von Wort und Musik entsteht ein vielschichtiger Zugang zur Geschichte Theresienstadts – eindringlich, bewegend und von großer emotionaler Kraft.

Mit OPUS 45 ist in Gelnhausen ein herausragendes Ensemble zu erleben. Das Bläserquintett vereint Musiker:innen der Hamburgischen Staatsoper, der Dresdner Philharmonie, des Beethoven Orchesters Bonn und der NDR Radiophilharmonie Hannover. Gemeinsam mit Roman Knižka hat das Ensemble in den vergangenen Jahren eine besondere Form musikalisch-literarischer Erinnerungsarbeit entwickelt, die in der deutschsprachigen Konzertlandschaft einen festen Platz einnimmt.

Zeitzeugengespräch mit Edith Erbrich

Ein besonderer Moment des Abends ist das Zeitzeugengespräch mit Edith Erbrich im Anschluss an die Konzertlesung. Edith Erbrich gehört zu den wenigen Überlebenden des Ghettos Theresienstadt. Ihre persönlichen Erinnerungen verleihen der Veranstaltung eine besondere Tiefe und Unmittelbarkeit. Wo Musik und Literatur historische Erfahrungen vermitteln, gibt ihr Gespräch der Geschichte ein persönliches Gesicht. Es macht deutlich, dass Erinnerung nicht bei Zahlen, Daten und Fakten stehen bleibt, sondern im Erzählen und Zuhören lebendig wird.

Gerade diese unmittelbare Begegnung mit einer Zeitzeugin macht den Abend zu einer außergewöhnlichen Erfahrung. Sie eröffnet die Möglichkeit, Geschichte nicht nur aus Büchern oder Dokumentationen zu kennen, sondern als gelebte Erfahrung wahrzunehmen. Das Zuhören wird so selbst zu einem Akt der Erinnerung und der Verantwortung.

Erinnerungskultur als Bildungsauftrag

Die Abendveranstaltung ist eingebettet in ein pädagogisch-künstlerisches Gesamtprojekt. Bereits am Nachmittag findet ein Schulworkshop ab 16:00 Uhr statt, in dem sich Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte Theresienstadts auseinandersetzen. Dabei beschäftigen sie sich mit Texten, Musik und unter anderem mit der Kinderoper „Brundibár“, die im Ghetto von inhaftierten Kindern aufgeführt wurde. So verbindet das Projekt historische und politische Bildung mit künstlerischer Praxis und persönlicher Begegnung. Es zeigt, wie Erinnerungskultur auch für junge Menschen erfahrbar und relevant werden kann.