Geschichte der Pflege und Impulse für die moderne Ausbildung. Auszubildende in den Pflege- und Gesundheitsberufen stehen im Arbeitsalltag vor enormen Herausforderungen. Neben der hohen Arbeitsverdichtung sind sie immer wieder mit Diskriminierung und rassistischen Tendenzen konfrontiert. Gleichzeitig fehlen im hektischen Schichtdienst oft geschützte Räume, um solche Erfahrungen aufzuarbeiten. Da die generalistische Pflegeausbildung kritische Ansätze meist nur theoretisch vermittelt, fehlt es vielen Nachwuchskräften an der nötigen Handlungssicherheit. Genau hier setzt das neue Projekt „Verantwortung pflegen – Geschichte der Pflege und Impulse für die moderne Ausbildung“ der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH an.
Historische Reflexion & moderne Berufsethik
In Kooperation mit der Main-Kinzig Akademie für Gesundheit und Pflege gGmbH (MKA) wird das Vorhaben 2026 als Pilotprojekt durchgeführt. Rund 40 Auszubildende aus zwei ausgewählten Klassen nehmen an interaktiven Tagesseminaren teil, um ihre Demokratiekompetenz zu stärken.
Das Seminarkonzept verknüpft dabei historische Analyse mit aktueller Praxis:
- Blick in die Geschichte: Die Auszubildenden setzen sich intensiv mit der Rolle der Krankenpflege im Nationalsozialismus auseinander. Sie untersuchen die Ideologisierung des Berufsstands, die Verstrickung in Verbrechen sowie die anschließende Verdrängung in der Nachkriegszeit.
- Erfahrungswelt der Azubis: Als Expertinnen und Experten ihres Berufsalltags bringen die Teilnehmenden eigene Erlebnisse aktiv in den Diskurs ein.
- Praxisnahe Handlungssicherheit: In geschützten Räumen (Safe Spaces) erarbeiten die Auszubildenden durch fallbezogene Rollenspiele und Gruppenarbeiten konkrete Lösungsansätze gegen Diskriminierung.
Nachhaltige Verankerung in der Ausbildung von Pflegefachpersonen
Das Projekt versteht berufliche Pflege als Handlungsfeld, das auf Menschenwürde, Selbstbestimmung und dem Recht auf Schutz vor Ausgrenzung basiert. Durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte lernen die angehenden Pflegefachpersonen, menschenfeindlichen Äußerungen frühzeitig entgegenzutreten.
Auf Basis einer systematischen Evaluation wird bis Ende 2026 ein übertragbares Handlungskonzept erarbeitet. Dadurch kann das Format künftig dauerhaft in die Lehrpläne der MKA integriert und auf weitere Jahrgänge sowie Gesundheitsberufe ausgeweitet werden.