Wie kann lebendige Gedenkarbeit gelingen, wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus eigener Erfahrung berichten können? In enger Kooperation mit dem Kino Gelnhausen geht die erinnerungspolitische Veranstaltungsreihe „Zeit(zeugen)los: Neue Wege der Erinnerungskultur“ dieser zentralen Frage nach. Getragen wird die Reihe von der Partnerschaft für Demokratie, der DEXT-Fachstelle sowie dem Büro für interkulturelle Angelegenheiten.
Gemeinsam schlagen die Partner eine Brücke vom beispiellosen Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus in unsere Gegenwart. So versucht die Initiative, diese Geschichte nachhaltig aufzuarbeiten.
Neben innovativen Formaten wie KI-Anwendungen und Theaterprojekten steht nun mit dem Dokumentarfilm „Walter Kaufmann – Welch ein Leben!“ ein bewegendes Kulturhighlight auf dem Programm.
Ein Leben wie ein Brennglas des 20. Jahrhunderts
Das Jahrhundertleben des jüdischen, deutsch-australischen Schriftstellers Walter Kaufmann fasziniert und bewegt gleichermaßen: 1924 im Berliner Scheunenviertel geboren und von einer wohlhabenden Duisburger Familie adoptiert, verlor er seine Eltern in Auschwitz. Er selbst überlebte den Holocaust nur knapp durch einen der letzten Kindertransporte nach England.
Von dort aus mit dem berüchtigten Schiff „Dunera“ nach Australien verfrachtet, schlug er sich unter anderem als Soldat, Hochzeitsfotograf und Seemann durch, bevor er zu einem preisgekrönten, international erfolgreichen Autor und späteren PEN-Generalsekretär aufstieg.
In Kaufmanns Biografie spiegeln sich die globalen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts hautnah wider:
- Weltgeschichte aus nächster Nähe: Ob die US-Bürgerrechtsbewegung, die Kubanische Revolution oder die Folgen des Atombombenabwurfs in Hiroshima – Kaufmann war vor Ort.
- Emotionales Kernelement: Der erhaltene Briefwechsel mit seinen Eltern, der am Tag ihrer Deportation abrupt endet.
- Aktueller Appell: Bis zu seinem Tod im Jahr 2021 blieb Kaufmann unermüdlich streitbar. Seine Geschichte ist ein aufrüttelnder Aufruf, Menschenrechte und Demokratie entschlossen gegen Antisemitismus und jeden Rechtsruck zu verteidigen.
Vorführungen im Kino Gelnhausen
Im Rahmen der Reihe wird der Film sowohl für das breite Publikum als auch gezielt für Schulklassen gezeigt:
Öffentliche Abendvorführung
- Datum & Uhrzeit: Dienstag, 10. November 2026 um 17:45 Uhr
- Ort: Kino Gelnhausen, Herzbachweg 1–3, 63571 Gelnhausen
- Zielgruppe: Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger aus der Region
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Schulvorführung:
- Datum & Uhrzeit: 11.11. vormittags um 10:00 Uhr
- Ort: Kino Gelnhausen, Herzbachweg 1–3, 63571 Gelnhausen
- Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler aus weiterführenden Schulen im MKK
- Anmeldung per Mail an steffen.behme@bildungspartner-mk.de
Die Regisseurin Karin Kaper wird bei der Abend- und Schulvorführung anwesend sein und das Filmgespräch führen.
Erinnerungskultur zukunftsfähig gestalten
Der Film zeigt eindrucksvoll, wie persönliche Biografien auch heute noch junge und erwachsene Generationen berühren und zum Nachdenken anregen können. Nutzen Sie die Gelegenheit, dieses einzigartige Dokumentarfilmporträt auf der großen Leinwand zu erleben und gemeinsam über zukunftsfähige Wege des Erinnerns ins Gespräch zu kommen.
@Copyright (Plakat/Foto-Walter Kaufmann): Karin Kaper Film