Erstmals seit den 1930er Jahren feiert Gelnhausen wieder öffentlich Chanukka. Am 1. November 1938 meldete sich die Barbarossastadt Gelnhausen als eine der ersten Städte im Deutschen Reich offiziell als „judenfrei“. Nach Jahrzehnten des Schweigens und des Erinnerns setzt die Stadt im Dezember 2026 ein historisches Zeichen für die Zukunft. Der Förderverein Rabbinerhaus Gelnhausen e.V. lädt gemeinsam mit Kooperationspartnern zur ersten öffentlichen Chanukka-Feier seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Unter dem Motto „Licht verbindet“ wird das jüdische Lichterfest als überparteiliche und ökumenische Bewegung im öffentlichen Raum gefeiert.
Ein starkes Zeichen für Demokratie, Toleranz und Zusammenhalt
Chanukka feiert die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem und das historische Öl-Wunder, steht aber zugleich als Symbol für Glaubensfreiheit, Hoffnung und Selbstbehauptung. Gerade in zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und steigenden Antisemitismus stellt die Feier ein aktives Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten dar.
Die Veranstaltung ist bewusst nicht nur eine religiöse Zeremonie, sondern ein Ort der Begegnung und Bildung für die gesamte Stadtgesellschaft. Alle demokratischen Parteien, sämtliche Religionsgemeinschaften, vielfältige Vereine und Verbände sowie natürlich alle Bürgerinnen und Bürger sind ausdrücklich eingeladen mitzufeiern und ins Gespräch zu kommen.
Der Ablauf: Vom Stadtgarten in die Ehemalige Synagoge
Die Feier gliedert sich in zwei aufeinander aufbauende Teile, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbinden:
- Öffentliches Entzünden im Stadtgarten: In der Dämmerung wird im Stadtgarten eine große Chanukkia aufgebaut und feierlich entzündet. Daniel Glöckner, Vorsitzender des Fördervereins Rabbinerhaus Gelnhausen e.V., begrüßt die Gäste und schlägt die Brücke vom historischen zum heutigen jüdischen Leben. Anschließend führt Niko Deeg (Gemeindevorstand der Jüdisch Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland und Geschäftsführer von PINOT gUG) in die Bedeutung des Lichterfestes ein. Alle Anwesenden erhalten die Möglichkeit, kleine Öllampen zu entzünden – als Zeichen der Menschlichkeit und des gemeinsamen Einstehens gegen Hass und Hetze.
- Begegnung in der Ehemaligen Synagoge Gelnhausen: Im Anschluss an den offiziellen Teil im Stadtgarten geht die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Ehemaligen Synagoge in der Brentanostraße weiter. Bei warmen Getränken und kleinen Snacks entsteht Raum für persönlichen Austausch, Fragen und das Miteinander. Dort, wo einst jüdisches Gemeindeleben ausgelöscht wurde, kehrt das Licht jüdischer Kultur hell und sichtbar zurück.
Mit dieser Feier verbindet Gelnhausen eine würdevolle Erinnerungskultur mit einer lebendigen, zugewandten Gegenwart. „Licht verbindet“ zeigt, dass jüdische Traditionen ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind.